
Geschichtliche Entwicklung:
Im Jahre 1971 erreichte die Schwestern von Seligenthal die Nachricht von einer kleinen Indioschule mit Kinderheim am Rande der bolivianischen Hauptstadt La Paz, die dem Untergang nahe war, weit die Gründerin, Madre Hedwigis Eckert, gestorben war. Nach eingehenden Überlegungen und Informationen vor Ort entschlossen sich die Schwestern von Seligenthal, hier Hilfe zu leisten. Im November 1972 trafen 3 von ihnen nach einer mehrwöchigen Schiffsreise in La Paz ein und fanden außer einer kleinen Schule einige schmutzige kleine Hütten vor, in denen 40 Kinder notdürftig untergebracht waren. Der Anfang war sehr schwer.- Es fehlte an Brot, Wasser, Hygiene. Da das Colegio keine regelmäßigen Zuwendungen erhielt, mußte eine Schwester mit einigen Kindern auf den Markt gehen, um sich von Marktfrauen Obst, Fleisch und Gemüse in ihren Bettelsack stecken zu lassen.
Freunde von Seligenthal wurden über das Projekt informiert, und bald gingen so viele Spenden ein, daß die Schwestern an den Aufund Ausbau des Colegios denken konnten. ES entstanden nach und nach ein Internat, das sehr bescheidene Kloster, zusätzliche Kla s senzimmer, ein neuer Schultrakt, Haushal: tungsschule, ein ärztlicher Gesundheitsdienst, Kindergarten, Schultrakt für die Mittel- und Oberstufe, Turnhalle, Lehrwerkstätten für Mädchen und Jungen (Schulküche, Nähzirnmer, Schreinerei, Schlosserei, Elektrotechniffl. Ebenso werden Kurse für EDV angeboten, für, die ein Computerraum zur Verfügung steht.
Außerhalb von La Paz konnten die Schwestem ein kleines Landgut erstehen, auf dem sie für die vielen Kinder und die Schweste,rn das notwendige Gemüse pfianzen und ernten und außerdem den Schülern Kenntnisse in Ackerbau und Viehzucht vermitteln können.
1996 wurde hierfür auch ein Landschulheim errichtet, das immer wieder eine Schulklasse für ein paar Wochen aufnehmen kann. Infolge der starken Landflucht und dem damit verbundenen ungeheuren Anwachsen der Stadt La Paz vermehrte sich die Schülerzahl ständig: Aus den 40 Kindern von 1972 sind bis zum Jahre 1996 4600 Kinder und Jugendliche geworden, aus den armseligen Hütten der Anfangszeit mit ihren" 7 großen und 4 kleinen Tischen, den 6 Bänken und 6 Stühlen und den 2 Stofftafeln - eine schon abgenützt" mehrere Gebäudekomplexe, die Internat, Kindergarten, Grundschule, Mittelstufe und Oberstufe aufnehmen.
Woher kommen die Kinder?
Das Gros der Schüler rekrutiert sich aus Indios aus La Paz und der weiteren Umgebung, dazu kommen die Abkömmlinge der ehemaligen Negersklaven, eine Bevölkerung, die sich in den Urwaldzonen Boliviens erhalten
hat. Bei der Aufnahme in das Colegio wird keine Auswahl getroffen, weder hinsichtlich der Familiensituation, noch der Refigions- oder Rassenzugehörigkeit, noch der sozialen Schicht, aus der ein Schüler kommt. Allerdings werden bevorzugt jene Kinder aufgenommen, die sonst keine Möglichkeit hätten, eine Schule zu besuchen: Kinder aus den Urwaldgegenden, aus ärmeren Schichten und Sozialwaisen.
In das Internat werden vor allem Kinder aus den Urwaldgebieten, aus zerrütteten Familien und sogenannte "Gefängniskinder"aufgenommen, d. h. Kinder, deren Eltern wegen irgendwelcher Delikte eine Gefängnisstrafe verbüßen.
Das Tagesheim besuchen Kinder und Jugendliche, denen zuhause nicht der nötige äußere Rahmen für ein geordnetes Lemen gegeben werden kann
Die Schüler zahlen ein geringes Schulgeld, soweit ihnen dies möglich ist. Zur Hauptsache aber wird das Colegio von rein privaten Spenden getragen, die durch das Heimatkloster verwaltet werden. Von staatlichen und kirchlichen Stellen erhält das Projekt keinerlei Unterstützung, auch nicht vom bolivianischen Staat. Für ganz bestimmte Projekte (Bau der Werk stätten, Erweiterungsbau des neuen Schulge gebäudes für die Oberstufe) gewährt die EU einen Zuschuß.
Blick in die Zukunft:
Neben unmittelbarer Hilfe in Armut, Krankheit und sozialer Not streben die Schwestern und ihre Mitarbeiter im Colegio "Langzeitwirkung" ihrer Bemühungen an als Hilfe zur Selbsthilfe. Es ist ihr Ziel, den jungen Menschen Kenntnisse, Fähigkeiten und Weite zu vermitteln, die ihnen Beruf und Auskommen sichern können, und ihnen religiöse und moralische Grundlagen mitzugeben, die bewirken, daß sie sich für das Gute ein setzen. Sie sollen Einsicht in politische, wirtschaftliche und soziale Spielregeln und Gegebenheiten erhalten, die sie befähigen, Koffuption und Ausbeutung, Egoismus, Unverständnis und Primitivität entgegenzuwirken. Nur so kann sich in einem Land, das immernoch ca. 40 % Analphabeten aufweist, etwas"entwickein".
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